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361 Jahre alt
10. August 2010
Linde auf dem Alten Fiedhof ist 361 Jahre alt
"Wie alt mag unsere Linde wohl sein?" - Seit vielen
Generationen bewegte dieses Rätsel die Gemüter der
Oppenweher. Von zweihundert bis zu tausend Jahren reichten
die Vermutungen. "Sie dürfte ja schon in Saft und
Kraft gestanden haben, als die Vorfahren der alten Oppenweher
Geschlechter noch freie Bauern waren auf freiem Grund und
Boden", heißt es gar in einem alten Aufsatz über
Oppenwehes Geschichte. Nun endlich kann diese Frage beantwortet
werden: Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, kurz nach dem
Deißigjährigen Krieg, ist das heutige Prachtstück
gepflanzt worden. Der Verein "Oppenweher Klus" hat
das Alter ermittelt und daher nun auch eine Gedenktafel aufgestellt.
Doch wie kann man eigentlich das Alter einer Linde bestimmen?
"Fällen und Ringe zählen!" - diesen "gut
gemeinten Tipp" wollte man verständlicherweise nicht
umsetzen. Doch die Dokumentation "Deutschlands älteste
Bäume", die der NDR im März ausgestrahlt hatte,
brachte den Vorsitzenden des Vereins, Peter Kokemor, auf die
Idee: "Die können uns bestimmt weiter helfen!".
Über den NDR und die Filmproduktionsgesellschaft Nautilus
konnte so der Kontakt zu dem Biologen Stefan Kühn aus
Gießen hergestellt werden. Kühn hat sich seit vielen
Jahren auf "Alte Bäume" spezialisiert, mehrere
Bücher zu diesem Thema verfasst und ist beim Deutschen
Baumarchiv für den Norden der Republik zuständig.
Von ihm kam schließlich die genaue Anleitung.
Aus dem Umfang des Baumes kann man nämlich auf das Alter
schließen. Der Umfang muss dabei in einem Meter Höhe
gemessen und dann durch einen Faktor zwischen 2 und 3 geteilt
werden. So ergibt sich das ungefähre Alter der Linde.
Der jeweilige Faktor hängt dabei allerdings von den örtlichen
Gegebenheiten ab. Bodenqualität und klimatische Verhältnisse
beeinflussen natürlich das Wachstum. Hier kam den Oppenwehern
ein glücklicher Umstand zu Hilfe. Es existiert doch tatsächlich
ein präziser Vergleichsmaßstab, nur wenige Meter
entfernt: Die Lindenallee auf dem Marktplatz. Es ist bekannt,
dass diese im Jahr 1893, also vor 117 Jahren, angeplanzt wurde.
Das Messteam Jürgen Tiemann, Andreas Spreen, Jürgen
Lüker, Holger Eickenhorst, Jürgen Geldmeier und
Hans-Wilhelm Henke vermaß zunächst diese Linden
und ermittelte auf diese Weise ein durchschnittliches Umfangswachstum
von 1,75 cm pro Jahr. Auf dem kargen Sandboden wachsen Linden
somit deutlich langsamer als im Bundesdurchschnitt. Dieser
Faktor konnte jetzt auf den Umfang der Alten Linde, nämlich
632 cm, übertragen werden. Die Linde ist demzufolge etwa
361 Jahre alt und wurde ungefähr 1649 gepflanzt.
"Natürlich wollen wir uns nicht ernsthaft exakt
auf diese Jahreszahl festlegen, das wäre unseriös.
Dennoch macht dieses Datum auch historisch durchaus Sinn",
erläutert Kokemor. "Denn ungefähr zu dieser
Zeit, kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, wurde
eine neue Kapelle an dieser Stelle errichtet. Die Klus. Die
vorherige, die bei Rohlfing Nr. 2 gestanden hatte, war vermutlich
im Krieg untergegangen. Es ist deshalb absolut nachvollziehbar,
dass man damals aus diesem Anlass neben der Kapelle auch gleich
einen jungen Kirchbaum, eben unsere Linde, gepflanzt hat."
Grund genug für den Klusverein, vor der Linde eine Gedenktafel
anzubringen. Die Tafel wurde von Petra und Jürgen Lüker
gestiftet und trägt eine von Petra Lüker gedichtete
Inschrift. Der passende Rahmen aus massiver Eiche wurde von
Erhard Kröger gebaut, von Jens Büttemeier gestrichen
und schließlich von Kröger und Jürgen Tiemann
aufgestellt. Das notwendige Material hat ein Klusvereinsmitglied
gespendet. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde wurde die Tafel
jetzt von René Spreen aus Oppenwehe enthüllt.

Zunächst wird der Umfang
der Linden
auf dem Marktplatz in 1 m Höhe gemessen.
Aus den Messungen wird der Durchschnitt
gebildet und ergibt ein jährliches
Durchschnittswachtum von 1,75 cm/Jahr.
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Messung der Alten Linde
Mithilfe von Laser werden Fixpunkte festgelegt, damit
die Messung in gleicher Höhe später wiederholt
werden können.
Der Umfang in 2010 beträgt 632 cm.
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Enthüllung der Gedenktafel:
Angelika Kokemor, Jürgen Tiemann, Jürgen Geldmeier,
Erhard Kröger, Anne Tiemann, René Spreen,
Anemone Spreen, Petra Lüker
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